SY Muscat

 

Reisebericht Curacao und Panama
Vom August 2000 bis April 2001

Bon Bini na Curacao!

Curacao gehört zu den niederländischen Antillen, 472 km2 Fläche soll meine Wahlheimat für die nächsten 6 Monate messen. 170'000 Einwohner, wovon die meisten in der Hauptstadt Willemstadt, bzw. in den angrenzenden Orten wohnen, im öffentlichen Dienst oder in den Ölraffinierien beschäftigt sind. Die Sprache ist vorwiegend Papiumento hulanda, eine Sprache aus ca. 10'000 Worten, meist vom spanischen oder holländischen abgeleitet, die weiter benötigten Ausdrücke sind holländisch.

Curacao ist eine sehr trockene, braune Inseln, wild bewachsen von meterhohen Kakteen und Dornengestrüpp, dazwischen ein Divi-Divi Baum mit weiter schattenspendender Baumkrone. Ab und zu ein Leguan, der gemächlich herumliegt und plötzlich in Rekordtempo verschwindet oder schwarz-gelbe Trupiale, der Nationalvogel von Curacao. Die Regenzeit beschränkt sich auf wenige Wochen im Oktober, vielleicht noch im November, dann blühen lila Blumenteppiche über die ganze Insel, Gras schiesst in die Höhe, die Insel verändert sich für die nächsten zwei Monate.

Die Überraschung ist Willemstad. Eine typisch holländische Innenstadt, bunt, schmuck und sauber. Das schönste Gemüse und die süssesten Früchte kauft man am "Floating Market" bei den Venezolanern direkt vom Schiff weg.  Viele kleine indische Geschäfte mit sich wiederholendem Kleiderangebot und Krims Krams zu günstigen Preisen laden zum Schlendern ein. Die 1888 eingeweihte, schwimmende Emmabrücke verbindet die Quartiere Punda mit Otrobanda und ermöglicht dank der speziellen Konstruktion die Brücke zu öffnen und Ozeanriesen aus aller Welt in das Schottegatt zu dem Kreuzfahrtschiffsteg, Ölraffinierien oder ins Trockendock zu fahren. Vor allem Passagiere von Kreuzfahrtschiff besuchen Willemstad zu Hunderttausenden jedes Jahr.

Unsere Muscat liegt im Süden der Insel in der grossen Lagune Spaanse Water vor Anker. Direkt vor dem Seglertreffpunkt Sarifundy mit Restaurant und Bar. Ideal eingerichtet mit Internet (falls es funktionierte), Fax, Telefon und täglichen Bussen zu verschiedenen Supermärkten. Leider aber ohne Sandstrand in der Lagune. Diese sind ausser am Westpunt (ganz im Nordwesten) der Insel alle künstlich aufgeschüttet und kosten Eintritt. Das hält uns aber von Besuchen mit dem Dinghi nicht ab, denn Baden ist gratis, erst den Strand betreten kostet. Alles klar?

Andi ist nach Hause gereist, bringt unsere anfallenden Schriftsachen in Ordnung und verdient unsere Bordkasse für die nächsten Monate. Tja, und ich arme verlassene Frau mit zwei kleinen Kindern bin ganz alleine auf Muscat vor Anker?! Nein, diese Ansicht überlasse ich anderen und entscheide mich für die positive Variante: Was will ich noch mehr, als mit meinem zwei kleinen Schätzen auf unserem schönen Segelschiff ein paar Monate in der herrlichen Karibik zu verbringen?! In der Hängematte schaukeln, ab und zu ein Bad im 30 Grad warmen Meerwasser? Natürlich fehlt uns Andi.

Lange haben Andi und ich beraten, ob es besser ist, in einer Marina zu bleiben oder vor dem Sarifundy zu ankern. Was für Vorteile bringt mir die Marina? Strom und Wasser im Überfluss und einen kleinen Privatsandstrand zum baden. Der grösste Nachteil ist die abgelegene Lage, zwar kann ich mit dem Eigentümer zum Einkaufen fahren, aber der Kontakt mit anderen Yachten, die vor Anker liegen, wird schwierig. Zudem möchte ich Yanik  in den Kindergarten schicken und zum Bus in die Stadt ist es bedeutend weiter mit dem Dinghi. Alle anderen vorzustellenden, technischen Probleme, wie Ausfall der Grau-, Süss- oder Salzwasserpumpe, Toilette, etc. können immer auftreten, egal ob Marina oder vor Anker. Ich entscheide mich für das vor Anker liegen, inmitten vieler befreundeten Yachties. Wir geniessen Aperitifs, Grillabende, Badepläusche, Crepe essen, Kindergeburtstage, Frühstück am Sandstrand und viele lustige Stunden zusammen.

 

Yanik im Kindergarten

Yaniks erster Schultag! Er ist ja schon so gross. Wir haben einen Kindergartenplatz gefunden, der einen Schulbusservice hat. Yanik tut es sehr gut, wenn er die nächsten Monate mit Kindern verbringt, finden Andi und ich. In Curacao ist es wie in vielen Ländern normal, Kinder ab vier Jahren am Vormittag in den Kindergarten zu senden. Wir freuen uns alle darauf.

Die Küchenuhr summt bereits um 5.45 Uhr! Ich bereite den Znüni fertig und wecke Yanik um 06.00 Uhr. Er isst im Halbschlaf sein Honigbrötli, ich ziehe ihn an und schon ist es 06.10. Jetzt muss ich Fabien wecken, anziehen und dann geht es ab ins Dinghi. Punkt 6.20 Uhr stehen wir bereit für den Schulbus auf dem Parkplatz beim Sarifundy. Meist etwas verspätet braust der Kleinbus an, bereits beladen mit etwa 35 Kindern im Alter von 4 bis 12 Jahren auf 11 Sitzen. Vorerst fahre ich noch mit, zu Dritt auf einem Sitz vorne. Der Bus erreicht unsere Schule schon um 6.50 Uhr. Zeit um noch die restlichen Brotecken zu verspeisen. Spielen dürfen wir aus Versicherungsgründen nicht vor Schulbeginn. Um 7.15 Uhr treffen die Kindergärtnerinnen der Admiral P.L. Brionschule ein und um 7.45 Uhr fängt der Kindergarten an. Sie spielen, klatschen, turnen, basteln, zählen, lernen Farben und Formen und jeden Monat geht es mit dem Bus zu einem Ausflug. Einmal in Tierheim, zur Samichlausfeier, Weihnachtsessen im Mac Donalds, usw. 

Yanik gefällt es überhaupt nicht. Mir schmerzt das Herz, wenn ich ihn am Morgen in der Schule auf seinem Stühlchen traurig sitzen sehe und mit Fabien, der sehr gerne bleiben würde, wieder zurückfahre. Als wir dann zum dritten Mal vom Schulbus vergessen werden oder der Bus sich wegen platten Reifen viel verspätet und wir vergebens warten, gebe ich nach. Yanik muss ja noch nicht in den Kindergarten und es sollte ihm Spass machen. Ich erkläre Yanik, dass wir nicht mehr in den Kindergarten gehen. Zu meiner riesigen Überraschung insistiert Yanik und will unbedingt in den Kindergarten. Ich höre wohl nicht recht. Na, dass ist ja ein Erfolg, den ich ausnutzen will. Wir fahren mit dem Dinghi quer durch die Lagune zur Bushaltestelle. Es ist schon nach 7.15 Uhr. Der Linienbus ist inzwischen längst abgefahren. Ich halte einen Fischer an und bitte ihn, uns in die Stadt zu fahren. Glücklicherweise ist seine Autogarage nur grad zwei Strassen von der Schule entfernt und er bringt uns direkt zur Schule, gerade rechtzeitig bevor die Tore um 8.00 Uhr geschlossen werden. Yanik spaziert ins Klassenzimmer, lacht und schalkt. Ich froh und glücklich, aber auch verblüfft, wie leicht mich mein Söhnchen an der Nase herumführt. Die Kindergärtnerin bestätigt mir, dass Yanik, kaum bin ich um die Ecke, aufgeweckt und laut ist, kaum mehr wiederzuerkennen. Meine Unsicherheit, ob diese Schule richtig ist, hat sich gelegt. Zwar ist Yanik in der ganzen Schulanlage das einzige weisse Kind, die Schule gilt nicht als besonders angesehen, doch stelle ich bald fest, dass er gut integriert ist, eine tolle Kindergärtnerin und fröhliche, herzliche Kameraden hat.

 

Reparaturen, Reparaturen und Hurrikanwarnung

In der Hängematte schaukle ich nicht mehr, die ist gründlich runtergefallen und bedarf einer grösseren Reparatur. Reparaturen benötigen auch diverse andere Installationen auf dem Schiff. Die Salzwasserkühlung der Hauptmaschine verliert Seewasser weil die Kugellager defekt sind und die Lichtmaschine ist ausgefallen. Das heisst kein Strom. Kein Strom heisst keine Kühlung des Kühlschrankes, kein Licht, kein Funk, kein Computer, keine Musik. Andi bestellt eine neue Lichtmaschine, die alte sende ich zurück zur Reparatur und werden sie als Reserve auf unsere Weiterreise mitnehmen. Ich kann auf meine Seglerkollegen zählen, sie helfen mir aus, wo und wie es immer geht.

Seit ein paar Tagen verfolge ich anhand der Wetterprognose den Verlauf des Hurrican Joyce, der immer noch auf direktem Kurs nach Trinidad ist. Es ist ein gemütlicher Sonntag als ich auf der Funke von Katrin und ihren Freunden aufgerufen werde. Sie wollen in etwa zehn Minuten kommen und helfen, mein Schiff in die Mangroven zu verlegen und zu dort zu vertauen. Der Hurrikan werde in etwa zwei Tagen nördlich an  Curacao vorbeiziehen und es werde mindestens ein Sturm, wenn nicht noch Schlimmeres befürchtet. Ich gucke aus dem Fenster und tatsächlich haben sich schon einige Yachten in die Mangroven geflüchtet, gerade sehe ich noch das Heck der EOS verschwinden. Toll, ich habe doch gar keine Maschine und in die Mangroven segeln ist unmöglich. "Kein Problem, wir kommen und schleppen dich ab mit unseren Katamaranen", meint Kathrin. Ich winke vorerst ab und erkundige mich auf der Nachbaryacht bei Aldo nach seinen Plänen und seiner Meinung. Wir beschliessen, alles sturmklar zu machen, den zweiten Anker zu setzen und den Sturm abzuwettern. Hier weiss ich, dass mein Anker hält, das ist erprobt, aber in den Mangroven? Ich informiere meine Familie in der Schweiz, klariere auf, lege die Schwimmwesten bereit, behalte Yanik zu Hause und warte den angekündigten, schwarzen Montag ab. Vielleicht wäre ich doch besser in ein Hotel geflüchtet? Sind die Hotel hier überhaupt sturmsicher gebaut? Nein, mein Entschluss steht fest, alles dichtmachen und der Dinge harren, die da kommen werden. Schliesslich ist die Muscat robust und zum schwimmen gebaut. Lars vom Sarifundy beschwichtigt, dass nur alle 100 Jahre ein Hurrikan über die Insel brause und der letzte wäre 1898 gewesen. Sehr beruhigend...

Am Montag regnet es in Strömen, innert kurzer Zeit schöpfe ich 70 Liter Wasser aus dem Sonnendach in den Tank. Dann wird es absolut still, kein Hund, kein Vogel, kein Motor, eine komisch anmutende Stille rund um mich. Wir wagen uns hinaus und es tut gut, über die Schiffe hinweg mit anderen zu reden und zu spassen. Nicht das mindeste Kräuseln des Wassers, die Schiffe schwojen abwechselnd in alle Himmelsrichtung. Ich beginne das Deck zu putzen  und die Kinder schöpfen das Dinghi aus, das schon wieder über die Hälfte mit Regenwasser gefüllt ist. Spät am Nachmittag das grosse Aufatmen, Joyce hat sich aufgelöst. Ein aufregender Tag trotz Ruhe und Stille ist vorbei. Langsam stellen sich Zweifel ein, ob es gut ist, die nächsten Monate alleine mit der Muscat hier zu harren.

Die Reparaturen gehen auch am nächsten Tag sofort weiter. Die Grauwasserpumpe fällt mehrmals aus und das gebrauchte Abwasser fliesst in die Bilge, statt dass es aus dem Schiff gepumpt wird. Aldo mein grossartiger Helfer reinigt und repariert nun fast täglich. Bei der Entsalzungsanlage platzt ein Schlauch, das Seewasser fliesst seitlich in die Werkzeugsstauräume. Bis ich das Salzwasser in den Stauräumen feststelle, hat sich schon Rost festgesetzt, alle Schleifpapiere sind durchweicht, aber glücklicherweise sind alle Maschinen unbeschädigt und das meiste kann ich gut putzen und pflegen. Fast jeder Tag bringt ein kleineres oder grösseres Übel, sei es eine Berührung mit einer Qualle beim Schwimmen, deren Nervengift mich eine Nacht kaum schlafen lässt, Fabiens Nutellageschmier durch das ganze Schiff mit braunen Hand- und Fussabdrücken vom Cockpit querfeldein bis ins Bad, tap, tap, tap den Kästen entlang bis zum Lavabo. Sei es der beim Sarifundy ins Wasser fallende Schnuller, der drei Amerikaner zu einer auf den Knien robbenden Helferschaft werden lässt. Fabien weiss es besser, springt ohne Schwimmhilfe ins Wasser und paddelt unter den Schwimmponton, ich samt Geldbörse und Funktelefon hinterher. Oder die heruntergeschlagene Brennspritflasche in der Pantry...

 

600 Liter Diesel in der Bilge

Ab und zu ein Lichtblick: ein lustiger Abend, ein Päckli oder einen Brief von der Schweiz oder wenn die Speditionsgesellschaften und die Post endlich meine Lichtmaschine ganz regulär auf einem Postoffice finden. Aldo montiert sie in grosser Hitze eingeklemmt hinter der Maschine und muss alle elektrischen Anschlüsse anpassen. Er ordnet an, dass ich immer wieder das ordnungsgemässe Arbeiten der Lichtmaschine überprüfe, die Kühlung des Motores, auf Feuer, aussergewöhnliche Geräusche, etc. Es riecht wieder wunderbar nach Motor im Schiff, toll wie er läuft. Am nächsten Morgen stelle ich 20 cm Flüssigkeit im Motorraum fest. Ich muss mich auf den Boden setzen und starre in den Motorraum. Woher soviel Wasser, dass ist nicht möglich. Ich hole ein Glas, das "Wasser" hat die Farbe von Lindenblütentee, Diesel ist dunkel, oder? Ich funke zu Georg und Achim, die gerade Aperitif einnehmen. "Welche Farbe hat Diesel?" "Kommt darauf an, wo Du in aller Welt getankt hast", erhalte ich die Antwort." "Sieht venezolanischer Diesel wie Lindenblütentee aus?". Natürlich ernte ich Gelächter, mir ist aber ganz und gar nicht danach zumute. Tatsächlich, über 500 Liter Diesel liegen in der Bilge im Motorraum. Werde ich das alles mit dem Becher in Kanister abfüllen und entsorgen müssen?

Am nächsten Morgen pumpen Achim, Georg und ich alles mit einer Bilgenpumpe direkt zurück in den Tank. Zum Glück war unser Motorraum so sauber und trocken. Nur die letzten 50 Liter schöpfe ich aus und Kiki entsorgt sie mir im Kanister an der Sammelstelle.

Inzwischen bin ich schon mit allen Wassern und Diesel gewaschen, mein Übernahme lautet bei einigen Mrs. Bilge-Lady und nach dem Lindenblütentee werde ich Monate später noch in Panama von neuen Bekanntschaften gefragt. Viel kann mich nicht mehr erschüttern. Dachte ich.

 

Fabien verunfallt

Es ist heiss, während die Kinder schlafen, öffne ich die Luken mehr als üblich. Prompt wacht Fabien auf, spaziert direkt auf das Deck und fällt durch die Luke mit dem Kopf auf die Türschwelle der Vorderkoje. Er bewegt sich nicht und eine grosse Blutlache bildet sich um seinen Kopf. Ich rufe mehrmals mit der Funke um Hilfe, für einen Autotransport ins Spital. Keine Reaktion. Verzweiflung stellt sich ein. Erst dann sehe ich, dass ich mich im auf dem falschen Funkkanal befinde. Ich stelle um und schon sind mindesten drei Helfer auf dem Weg und bringen mich an Land, wo wieder Leute mit Autoschlüsseln bereit stehen. Ich bin wieder einmal sehr dankbar und froh über die grosse Hilfsbereitschaft.

Aber genug ist genug. Ich überlege mir, nach Hause zu fahren. Inzwischen ist Mitte September, es sind erst zwei Monate meines Aufenthaltes vorbei. Gleichzeitig ist meine Pechsträhne vorbei. Plötzlich läuft alles tadellos. Wir sind alle gesund und munter und können endlich unser Curacao geniessen. Mitte November erhalte ich noch Besuch aus der Schweiz und wir geniessen eine schöne Zeit. Ab und zu noch ein kleines Manöver oder ein Missgeschick, aber nicht mehr der Rede wert.

An die Löcher in Fabiens Kopf müssen wir uns auch langsam gewöhnen. Weitere zwei Male in Curacao hat er eine stark blutende Schramme am Kopf, die er alle mehrmals wieder aufschlägt.

 

Festtage in Curacao

Die Zeit vergeht jetzt wie im Fluge. Mit dem Kindergarten nehmen wir die Adventszeit in Curacao  auch trotz sommerlicher Hitze wahr. Wir feiern die Ankunft von Santa Klaus und seinen schwarzen Peters am 5. Dezember. Da erhalten die Kinder in Curacao die Geschenke und in der Schule ist einiges los. An Weihnachten bringen alle Segler die Ergebnisse ihrer besten Kochkünste auf ein Buffet ins weihnachtlich geschmückte Sarifundy, das mit ca. 5 Metern Länge drei Mal neu gedeckt wird. An Silvester sind wir im Sarifundy zu Aperitif und Feuerwerk eingeladen. Es ist eine schöne Zeit gemeinsam mit den Seglerkollegen und Kolleginnen.

 

Rückkehr von Andi

Endlich ist es soweit, Andi kommt mit fünf grossen Taschen am Flughafen an. Die Taschen voll mit Geschenken und Ersatzteilen. Wir geniessen unsere ersten gemeinsamen Tage im neuen Jahr, bevor wir mit dem Aufbau unseres neuen Cockpit-Daches, der Montage unseres neuen Baumes,  Festinstallation der Solarpanele, Reparatur der Segel und vielen anderen Kleinigkeiten beginnen. Nach vier Wochen ist unser Schiff wieder wie neu (oder besser?).

 

Auf nach Panama!

Panama-Steckbrief (1996)
Fläche: 75 517 km2, 116 Weltrang (CH=41 284.5 km2)
Einwohner: 2'674'000 = 35 je km2 (CH = 171 je km2)
Hauptstadt: Panama City
Bruttosozialprodukt je Einwohner 3080 $

 

Am 19. Februar um 12.00 Uhr ist es soweit: Wir segeln nach fast genau einem halben Jahr Rast weiter Richtung Westen. Unser Ziel sind die St. Blas Inseln vor Panama. Mit Respekt sehen wir sechs Segeltagen entgegen. Wird alles funktionieren nach 6 Monaten Pause? Werden wir das gefürchtete Cabo de la Vela ohne Schrammen und Schäden passieren? Von den anderen Yachten haben wir ja zum Teil abenteuerliche Sachen über den Funk gehört. Das Cabo de la Vela ist das NO-Ende von Kolumbien. Starkwinde und Fallböen die vom 5800 m hohen Pico Cristobal Colon hinunter wehen, lassen hohe und steile Wellenberge entstehen, die quer zur normalen Dünung verlaufen. Zum erstenmal auf unserer Reise nehmen wir eine Tablette gegen Reisekrankheit. Die wirkt super, wir sind beide 24 Stunden schlaflos, total fit und reissen uns um die Wachen. Es geht uns blendend, der Wind stimmt und wir segeln nordwestlich, östlich Aruba vorbei bis fast zum 14. Breitengrad hoch. So vermeiden wir die unruhige See um das Cabo de la Vela. Auch so haut es uns ab und zu immer noch von den Sitzen. Nach einer kurzweiligen, sechstägigen Fahrt, lassen wir den Anker in der Inselgruppe Hollandes Cays, St. Blas, Panama fallen.

 

Bei den Kuna Indianer in St. Blas

Eine Inselgruppe wie aus einem Südseeferienprospekt! Glasklares Wasser umspülen weissen Sand, Palmen spenden Schatten, einzig die vielen Hunderten von Schuhe, die herumliegen muten komisch an (Die Schuhe sollen von einem (Kokain-)Schmuggelboot stammen, das von der Coast Guard versenkt worden sei und auf dem Riff strandete). Auf der bewohnten Inseln machen wir Bambushütten aus. Hier wohnen also die Kuna Indiander. Sind die wohl aufdringlich? Was wollen sie uns wohl alles zu Spitzenpreisen verkaufen? Wir denken zurück an einige Einheimische der westantillischen Inselnwelt. Bald werden wir aber herzlich von den Kuna-Indianern in ihren Kanus begrüsst. Sie schenken uns eine Kokosnuss, Kochbananen und eine uns unbekannte tropische Frucht, die nach Pfirsich schmeckt und heissen uns herzlich willkommen. Fröhlich nehmen sie unsere Bonbons an. Wir laden die Kunas zu einem Saft ins Cockpit ein und lassen uns ihre schönen Molas zeigen. Die Molas sind wunderschöne Bilder aus Stoff. Verschiedenfarbige Stoffe werden unter das eigentliche Haupttuch gelegt und die Bilderteile aus dem Haupttuch und allenfalls weiteren Stoffen bis auf die gewünschte Stofffarbe ausgeschnitten und versäubert. Die Bilder werden mit Zierstichen noch verschönert. So entstehen Stoffbilder mit den verschiedensten traditionellen Motiven, wie Pelikane, Fische, Schildkröten, etc. Die Preise sind klar und fair.

Wir sind sehr eingenommen von der Freundlichkeit der Kunas. Sie laden uns ein, ihr Haus zu besuchen. Als wir  am nächsten Nachmittag mit dem Dinghi zu ihrer Insel fahren, werden eiligst ein paar Plastikstühle geholt und an ihren Gästetisch hingestellt. Sie zeigen uns stolz ihr Gästebuch, ihr Dorf und ihr Gästehaus für Gäste ohne Segelschiff, die gerne mal mit ihnen leben, fischen und jagen möchten.

Vor 75 Jahren verlangten die Kunas ihre Rechte an ihrem Land von Panama zurück und regieren sich seither autonom. Unsere Kinder sind eine Attraktion, die Kunas bedauern mich aber, dass wir keine Mädchen haben. Das erstaunt uns, da wir sonst in den karibischen Ländern das Gegenteil erlebten. Die Kunas sind nicht das ganze Jahr über wohnhaft in den Hollandes Cays, sondern kehren wieder zurück in ihre Dörfer beim oder auf dem Festland.

Auch wir geniessen die fantastischen, schönen Inseln, schnorcheln um Korallenstöcke und tauchen nach den Seesternen am Strand. Ich spaziere täglich um die jeweiligen Inseln, bei ganz kleinen jogge ich (Anmerkung Andi: klein heisst 30 x 20 m). (Anmerkung Steffi: Ha, ha, stimmt gar nicht 35 x 25 m)

Wir erwarten Gäste aus der Schweiz und segeln zu den Hauptdörfern am Festland. Viele Dörfer haben eine Flugverbindung zu Panama. Der Flughafen in El Tigre liegt z.B. direkt hinter dem Dorf, eine breite Piste parallel zum Dorf, auf zwei Seiten durch das Meer auf den anderen beiden Seite durch das Dorf begrenzt (oder ein paar Schweinegehege). El Tigre ist sehr traditionell. Die Bewohner leben in einfachen Bambushütten mit aufgespannten Hängematten und einer Kochstelle. Die Toilette ist eine kleinere Bambushütte auf Pfählen direkt über dem Meer. Die Menschen in El Tigre verzichten bewusst darauf, zu den Yachten zu paddeln und ihre Produkte zu verkaufen. Wir fühlen uns aber im Dorf herzlich willkommen, trinken ein Coke im kleinen Restaurant und geniessen unsere Eindrücke.

 

Schwimmen mit Krokodilen

Bis zum Eintreffen unserer Schweizer Gäste in Rio Diablo bleibt noch genug Zeit, den gleichnamigen Fluss zu erkundigen, dort Wäsche zu waschen und unseren Süsswasservorrat aufzufüllen. Die Flussmündung ist schwer auszumachen, wir orientieren uns möglichst genau an den Kanus der Indios, da wir sonst bestimmt in einem Schwimmgut oder auf einer Sandbank landen. Am Anfang ist der Fluss noch weit und tief. Wir bewundern die grossen Bäume, überwachsen mit Lianen und Orchideen, riesige Bambusse und Mangroven und die davonfliegenden Vögel. Wir stellen auch mal den Dingi-Motor ab, um die Stille im Wald zu geniessen. Nur das Zirpen der Zirkaden und das Zwitschern der Vögel ist zu hören.

 

Unterwegs treffen wir ganze Kuna-Familien mit ihren mit Kanister gefüllten Kanus auf dem Weg zur Körper- und/oder Kleiderwäsche oder zur Grabstätte eines Verwandten, der heute Geburtstag hätte und drum nicht alleine feiern soll. Die Familien haben ihre Grabstätten im Urwald. Die Toten werden in kleinen Gruften bestattet. Unter dem Schattendach über den Gruften hängen Plastikblumen und vor allem auch Schälchen mit Essen und Trinken für die Toten. Auch wir werden von zurückkehrenden Kunas eingeladen den Cousin zu besuchen, er habe Geburtstag, die Stätte sei nur ca. eine halbe Stunde weit durch den Urwald. Doch eigentlich möchten wir lieber im Frischwasser baden und waschen als mit jammernden, klagenden, wanderfaulen Kindern alleine den unbekannten Weg durch den Urwald klettern. Eine Grabstätte konnten wir bereits am Ufer bewundern.

 

Wir baden genüsslich, fangen Kaulquappen und kleine Frösche. Andi wäscht unsere Wäsche aus, was grosses Staunen bei den Kunas hervorruft. Dann putzen wir das Dingi innen und aussen und schliesslich ist es Abend und Zeit zur Rückkehr auf das Schiff. Wir schieben lachend das Schiff auf dem Wasser, waten und schwimmen nebenher. Da bemerken wir das Fehlen von Fabiens Hut. Andi geht zurück zu unserer Badestelle als ihn Kunas wild herbeirufen. "Stephanie, bring den Fotoapparat, da hat es ein Krokodil!" ruft Andi. Ach, ist er wieder mal humorvoll, ein Genuss! Nach mehrmaliger Versicherung, dass sich sein Humor in Grenzen halte, packe ich die Kinder in das Dingi und ziehe es um die nächste Kurve zurück, wenige Meter vor unseren Badeplatz. TATSÄCHLICH !!!! Ein  paar Meter vor uns liegt am Ufer über einem Baumstrunk ein ca. 1.5 Meter langer Kaiman. Wir bewundern und fotografieren ihn. Da wird es dem Kaiman aber zu bunt, ein Satz von ihm ins Schwemmholz und von uns mit Aufschrei ins Dinghi. Wer hat wohl mehr Schiss? In Zukunft lassen wir unsere Füsse und Hände auf den Flussfahrten im Dingi.

 

In Tagesetappen nach Colon

Unsere Gäste Christian und Bruno treffen wohlbehalten in Rio Diablo ein. Zusammen geniessen wir das Inselleben bevor wir uns auf dem Weg Richtung Colon machen. In bequemen Tageshüpfern von Insel zu Insel, fangen wir einen schönen Barracuda und einen Kingfish. Den lassen wir bei Markus aus der Schweiz in der Markus Marina fein braten und fahren am nächsten Morgen weiter nach Portobello. Portobello ist reich an Geschichte, ein grosses zerfallenes Fort zeugt von der früheren Wichtigkeit des kleinen Ortes. Hierher brachten die Spanier das in Südamerika gefundene und gestohlene Gold um es auf die Schiffe zu verladen, die es nach Spanien brachten. Sofern sie nicht von den Engländern bestohlen wurden. Hier gibt es die sagenumwobene Schwarze Madonna, leider konnten wir keinen Blick darauf erhaschen, aber die Christusfiguren in der Kirche waren auch sehr dunkel. In Portobello werden die historischen Plätze fleissig restauriert und wohl bald von Touristenströmen besucht sein.


Vorbereitungen zur Schleusenfahrt

Wir treffen in Colon ein, machen an einem Hafenplatz fest, zwar ohne Strom, dafür mit grüner Wiese vor dem Bug und Palmen. Ideal zum spielen für die Kinder und für unsere Hängematte. So schnell als möglich möchten wir durch den Kanal schleusen, da unsere Christian und Bruno in gut einer Woche wieder nach Hause fliegen. Doch diese Durchfahrt will organisiert sein: Zuerst anmelden bei der Vermessung. Die schicken einen Fachmann, der das Schiff vermisst und eine Menge Fragebogen (ca. 12 Stück, z.T. Mehrfachkopien!) zum Ausfüllen mitbringt. Mit Plastiksäcken umwickelte alte Pneus als zusätzliche Fender, vier 40 m lange Leinen und ein zusätzlicher Leinenführer nebst unseren Gästen müssen organisiert werden. Mit dem OK von der Vermessung eilen wir am nächsten Tag als erstes zur Bank, um die Gebühr von US$ 500.-- und die Kaution von US$ 800.- bar einzuzahlen. Nachmittags  können wir den Terminplaner anrufen und unseren Termin erfahren. Wir haben Glück und müssen "nur" vier Tage warten. Der Termin wird auf den 2. April festgelegt, Bruno und Christian fliegen am 4. April zurück. Das sollte genau reichen, auch falls die Kanalfahrt zwei Tage dauern würde.

Inzwischen bunkern wir das Schiff voll mit Lebensmittel für die nächsten Monate, in Südpazifik soll das Angebot an Lebensmittel kleiner und teuerer sein. Auch für einen Urwaldtrip reicht es noch. Es ist erstaunlich, wie viele Nationalpärke Panama bietet. Mit Wanderschuhen und Wasser ausgerüstet fahren wir mit dem engagierten Taxifahrer morgens um 6.00 Uhr in den San Lorenzo Nationalpark. Wir merken schnell, dass zwischen unseren Vorstellungen von Laufen und denen des Taxifahrers Welten liegen. Trotzdem entdeckten wir Ameisenbären, einen Tukan, Vögel und Affen. Bei den Brüllaffen war es zwar eher so, dass die uns erschreckten als sie ein Riesegebrüll über unseren Köpfen abliessen. Während ich sofort mein Autofenster schloss, rannte der Rest der Insassen mit Fotoapparaten bewaffnet ins Freie. Zehn Affen sassen über unseren Köpfen in den Bäumen.

 

Der Panamakanal

Der Panamakanal verbindet die Karibik mit dem Pazifik und ist 80 Kilometer lang. Ursprünglich wurde der Bau von den Franzosen Ende19. Jahrhundert begonnen und von den Amerikanern beendet. Am 15. August 1914  wurde der Kanal für die internationale Schifffahrt eröffnet. Die verschobene Erde hätte in einem Güterzug Platz, der vier mal um die Erde reicht. Seither haben über 825'000 Schiffe den Kanal passiert. Im Panamakanal hat der Lotse die höchste Befehlsgewalt auch auf Kriegsschiffen.

Der Kanal hat drei Schleusen: Die Gatunschleusen mit drei Kammern, Pedro Miguel mit einer Kammer und Miraflores mit zwei Kammern. Die Schleusenkammern sind ca. 33.5 Meter breit und 305 Meter lang. Durch die Gatunschleusen wird man 26 Meter auf das Niveau des aufgestauten Gatunsees hochgeschleust. Die ganze Schleusenanlage wird mit Süsswasser aus dem Gatunsee betrieben. Für jede Schleusenfahrt werden ca. 197 Millionen Liter Süsswasser gebraucht. Zum Glück regnet es reichlich in Panama. So führen die Flüsse genügend Wasser zu. 1963 wurde eine Beleuchtung des Kanals installiert, seither ist der Kanal 24 Stunden in Betrieb. Der ganze Kanal wird mit Video überwacht.

Grosse Frachtschiffe gebrauchen ihren eigenen Antrieb. In den Schleusen  werden  sie zusätzlich von vier bis acht elektrischen Schienenlokomotiven gezogen. Die durchschnittliche Gebühr für die Kanaldurchfahrt beträgt etwa US$ 45'000. Ein Kreuzfahrtschiff bezahlt ca. US$ 100'000, gemäss unserem Lotse.

Am 31. Dezember 1999 ging die volle Verantwortung für den Panamakanal von der USA an Panama über. Die Kanalbehörde ist eine autonome Behörde der panamaischen Regierung.

 

Die Schleusenfahrt

Tagwache um 5.15 Uhr! Eine ungewohnte Zeit, aber keiner hat Mühe aufzustehen. Wir hatten schon gestern den Hafen verlassen und sind in der Bucht vor Anker gegangen. Kurz vor halb sieben Uhr erkundigt sich unser Lotse über Funk nach unserer Position und wird Minuten später vom Lotsenschiff zu uns an Bord gebracht. Wir lichten sofort den Anker und motoren Richtung Kanal. In der ersten Kammer wartet bereits ein riesiger Frachter. Mit der schwedischen Yacht "Xena" im Paket fahren wir hinter den Frachter in die erste Schleuse. Vier Leinenführer an Land werfen einen Wurfball mit Leine, unsere Leinenführer knüpfen unsere Leinen fest, so dass sie an Land gezogen und festgemacht werden können. Die Tore schliessen sich, das Wasser sprudelt von unten rein und im Nu sind wir ein paar Meter weiter oben und gucken zufrieden über das Schleusentor hinunter in die Bucht.

"Ging ja ohne Probleme, habe mir das alles viel wilder vorgestellt, toll"!
Der Frachter startet seinen Motor, der Propeller rotiert und unser Schiff beginnt zu schlingern. Unsere Leinenführer (je zwei auf Muscat und auf Xena) haben alle Hände voll zu tun, um die beiden Schiffe in der Mitte zu halten. "Ha, ha, habt ihr die Wirbel gesehen, dass war ja wild."

Die Fahrt geht weiter in die zweite Kammer. Durch den Strudel wird die Muscat auf die Xena und diese an die Schleusenmauer gedrückt. Andi gibt Anweisungen an den Schiffsführer der Xena und zusammen mit den Leinenführern richten wir uns wieder in die Mitte aus. Die Xena meldet einen Schaden am Kunststoffkasko. Das fängt ja gut an. Die weiteren Schleusenvorgänge sind problemlos, auch in der dritten Kammer.

Nun sind wir auf dem Gatunsee. Ein riesiger, künstlich angelegter See. Unser Lotse erklärt die Folgen eines gemeldeten Schadens: erstens müsste das Schiff (Xena) gleich hinter der Schleuse im Gatunsee warten, bis alle Untersuchungen erledigt sind. Die Kaution geht dadurch natürlich verloren und das Verfahren zieht sich mindestens einen Monat hin. Keine Sorge, wir tragen keine Schuld, aber für Xena gäbe es einige Umstände. Wir fahren eine Kurve um Xena, können aber nichts feststellen. Die Xena hat Glück gehabt und nur einen Kratzer davongetragen.

Nun, dampfen wir Vollgas davon. Der Lotse hat sich nach unserer Höchstgeschwindigkeit erkundigt. Andi hat vorsorglich mal den Korrekturfaktor vom Log ein bisschen hochgesetzt, so dass es 6.1 statt 5.5 Knoten anzeigt. Wir wollen ja unseren Motor nicht überstrapazieren. Die Segelschiffe können eine Abkürzung durch den Dschungel nehmen (den Banana-Cut). Wenn man so über den See schaut, sieht man immer wieder einen Ozeandampfer zwischen den Bäumen durchfahren. Das beste Bild bietet sich aber an einer schmaleren Stelle, als uns zuerst das Kreuzfahrtschiff "Switzerland" und wenig später ein ultramodernes Kreuzfahrtschiff mitten im Urwald kreuzen. Unterwegs haben wir noch genügend Zeit, um in Gamboa im Süsswasser ein Bad zu nehmen. Unser Lotse funkt an die Zentrale, dass wir ein kleines Motorproblem hätten und 15 Min. Pause benötigen. Uns bittet er, etwas hinter dem Schiff zu baden, damit man es von der Videokamera nicht so gut sieht. Und weil wir erst in zwei Stunden bei der Pedro Miguel Schleuse sein müssen, geniessen wir das Baden gleich 30 Minuten lang.

Vor der Pedro Miguel Schleuse warten wir auf Xena, binden unsere Schiffe zusammen und fahren im Paket an die Seite eines Schleppkahns. Beim Hinunterschleusen sind die Yachten vor dem Frachtschiff. Kritisch gucke ich die riesigen Winschtrommel des Schleppkahns an, die die Leinen zur Schleuse führt. Im März gab es nämlich einen Unfall mit einer Schweizer- und einer Amerikaneryacht. Der Schleppkahn liess während dem Schleusen die Leinen fahren und trieb auf das Frachtschiff zu, die beiden Yachten wurden unter das Frachtschiff gedrückt. Die amerikanische Yacht war vollends unter Wasser, das Deck aufgerissen und erlitt Totalschaden, der Schweizer Yacht "Antares Royal" wurde das Rigg weg- und das Heck aufgerissen, wahrscheinlich auch Totalschaden. Zum Glück sind alle Crewmitglieder unverletzt.

Wir erreichen glücklich den Pazifik und fahren unter der "Brücke der Amerikas" in Balboa durch. Diese Brücke ist die einzige Verbindung der beiden amerikanischen Kontinente auf dem Landweg, abgesehen von ein paar Schleusenbrücken. Im Balboa Yacht Club laden wir die alten Pneus (Fender) und die gemieteten Leinen ab, tanken Diesel und Wasser und befestigen Muscat an einer Boje des Yachtclubs.

Ein Sprung ins Wasser um Yaniks Spielzeugmotor zu retten zeigt, dass das warme karibische Meerwasser Vergangenheit ist, die Wassertemperatur beträgt gerade noch 21 Grad. Eine grosse, sehr schöne und erlebnisreiche Etappe "Karibik" ist abgeschlossen, der Pazifik ruft.

© 08/2007 Andreas Ruf

Email: info@muscatsailing.org